Ein zähes Ringen – Flunterns Quartiertreff
Gemeinschaftszentren gibt es in Zürich in vielen Quartieren. In Fluntern sehr lange Zeit keines. Das Bedürfnis in der Bevölkerung danach war jedoch vorhanden. Und wuchs.
Auch der Quartierverein engagierte sich. Ausdauernd, über viele Jahre:
«Frau Kretz begann im Sommer mit den Vorbereitungen zum Quartiertreff, welcher … voraussichtlich Gestalt annehmen wird“, so Werner Aebli, der Präsident des Quartiervereins Das war im Jahre 1981.
Da irrte der Präsident, denn der erwünschte Quartiertreff für Fluntern nahm keine «Gestalt» an. Vierzehn Jahre später, beim Besuch des Stadtrates 1995 in Fluntern, war er noch immer eine der Hauptforderungen des Quartiervereins an die Stadtregierung
«Fluntern braucht einen Ort für Jugendliche und einen Ort für Begegnungen zwischen Menschen, die gemeinsame Aktivitäten als verbindende Elemente im Quartier suchen. Viele ernsthafte Bemühungen des Quartiervereins sind vor ein paar Jahren gescheitert. Jetzt engagiert sich wieder eine neue Generation von Eltern und sozial Aktiven. Wir wünschen uns von der Stadt Unterstützung für einen Quartiertreff, wo ein aktives Quartierleben verwurzelt werden kann.» (Jahresbericht QV 1995)
Nachdem auch das Sozialdepartement der Stadt den Bedarf eines Quartiertreffs in Fluntern bejaht hatte, ging es voran.
Im Zentrum stand nun die Raumfrage. «Wir sind weiterhin am Suchen nach einer – wenn auch nur provisorischen – Lösung“. So Luzia Schwegler, Präsidentin des Quartiervereins 1997.
Es brauchte weitere Jahre und das Engagement nicht nur des Quartiervereins, sondern vieler Fluntermer, bis 1998 der Quartiertreff «LOKAL» an der Voltastrasse eröffnet werden konnte.
Nun liegt die Voltastrasse nicht gerade im Zentrum von Fluntern.
Diesen Ort betrachteten deshalb einige der aktivsten Streiter für einen Quartiertreff nur als Provisorium: «Der Treff wird rege genutzt, den Angeboten sind jedoch aus räumlichen Gründen Grenzen gesetzt. Ein eigentliches Quartierzentrum muss im Herzen des Quartiers liegen, an einem Ort mit Zentrumscharakter.» Und sie schlagen, anknüpfend an Pläne des Architekten Walter Henne aus dem Jahre 1970, als die ref. Kirche Fluntern Pläne für einen Umbau diskutierte, stattdessen den «Platz vor der Grossen Kirche Fluntern» als «idealen Ort der Ruhe und Begegnung» vor. Zudem «ermöglicht er neues Leben in einer Grosskirche, welche in früherer Zeit für andere Bedürfnisse gebaut worden ist. ... Klare Trennung zwischen den kirchlichen Räumen und dem Quartierzentrum, Aufwertung des Gebäudes, neue Chance für den Platz vor der Kirche ... mit direktem Eingang ins neue Quartierzentrum.»
Ein Begegnungsort für Jung und Alt sollte es werden mit einem ein Foyer, mit Cafeteria, Musikräumen, einem Kleinkindertreff mit Spielzimmer, einem Werk- und Bastelraum und einem «Sonntagskafi».
Getragen werden sollte dieses Quartierzentrum von einem eigenen Verein, in dem «alle wichtigen Quartiergruppierungen, so die beiden Kirchen und der Quartierverein, vertreten sind.»
Natürlich brauchte es für den der Ausbau so eines Quartierzentrums Geld. Deshalb appellierten die Initianten, zu deren aktivsten Marianne Aubert, Dominique Landolt, Felix Bretschger, Andre Oprecht, Gerhard Peter und Pfarrer Thomas Grossenbacher gehörten, an die Fluntermer: «Lassen wir uns ein aktives Quartierleben etwas kosten!»
«Zu rechnen ist mit einer Investition von knapp zwei Millionen Franken, wovon ein Drittel bereits zugesagt ist. ... Wir möchten Sie deshalb einladen, uns zu unterstützen: ideell und/oder materiell», (Fluntern 2/02) appellierten Marianne Aubert und Felix Bretschger an die Fluntermer.
Letztlich vergeblich. Denn der «Quartiertreff Grosse Kirche» konnte nicht realisiert werden.
Das «Lokal», Flunterms Quartiertreff in der Voltastrasse, indes gibt es noch immer.
Er hat seinen Platz in Fluntern gefunden.