Zu Besuch im Kurhaus

«An dem verschneiten Kirchlein Fluntern vorbei, die steile Zürichbergstrasse empor, zog Karl Gebhardt den Davoser Schlitten, auf dem das kleine Schwesterchen Maly sass. In einen roten wollenen Schal vermummt, stapfte Nora, das andere Schwesterchen, das Händchen mit dem Fingerlosen Handschuh in der grossen waremen Hand des Bruders, nebenher. … Weiter oben begegnete ihnen ein grosser Mann, in einen Lodenmantel gehüllt, den Bart verschneit, in Begleitung zweier schwarzer Neufundländerhunde, der freundlich grüsste. ‹So, das ist Recht›, sagte der Mann, das ist gesund, frische Schneeluft…
Sie wollten einmal das neue alkoholfreie Kurhaus besuchen, erläuterte Karl und dann hinüber zum Dolder und von da in die Stadt hinabschlitteln.
Das sei jetzt eben der berühmte Professor Heim gewesen, erklärte der grosse Bruder den Mädchen im Weitergehen, Geologe und Kynologe zugleich. …
Mit vor Kälte geröteten und von Erlebnishunger weiter geöffneten Augen betraten die beiden Mädchen hinter Karl den Gastraum.
Während sie brav an ihrem Tisch neben der Säule warteten, begab der sich zum Buffet und kehrte bald darauf mit drei gewaltigen Teilen eines reichlich von Rosinen durchsetzten Gugelhopfes zurück, und hinter ihm kam noch eine Saaltochter mit drei dickwandigen Tassen heissen Kakaos – und der gleich zu erlegende Preis stellte sich auf 45 Rappen und Trinkgeld durfte keines gegeben werden.
An der Wand, umrahmt von Girlanden der Spruch ‹Der Genius der neuen Zeit, wie nennt er sich: Enthaltsamkeit›.»

Kurt Guggenheim, Alles in Allem, Frauenfeld 1996, S. 96–97