Flunterns Glocke

Noch heute ruft sie zum Gottesdienst in der «Alten Kirche»: Flunterns Glocke aus dem Jahre 1862 – Eine Glocke mit einer wechselvollen Geschichte.
1861 starb, erst 33 Jahre alt, der Fluntermer Gemeinderat Jakob Hürlimann. Zu seinem Andenken stifteten seine Erben 2500 Franken mit der Bestimmung «dass aus dieser Summe ein Kirchtürmchen auf das bestehende Bethaus und eine Glocke angeschafft werde.» (Die Geschichte der Hürlimann von Fluntern, S. 66/67) Gegossen wurde sie in der Giesserei Jakob Keller in Unterstrass. Die Glocke trägt das Wappen der Gemeinde Fluntern und die Inschrift: «Ich schalle Gott zur Ehre, der Gemeinde zur Freude, den Gebern zum Danke.»
Allerdings blieb die Glocke nicht sehr lange im Turm der «Alten Kirche». 1907 verkaufte die Kirchgemeinde Fluntern ihre «Alten Kirche» an die Stadt Zürich und 1920, als die neue «Grosse Kirche» fertiggestellt war, nahm man die Glocke aus der «Alten Kirche» mit.
«Das Gebäude wechselt», so Pfarrer Fueter im Juni 1920 anlässlich der Glockenweihe, «aber der gleiche Gott wird uns auch hier nahe sein … Hierführ soll die alte Glocke uns ein Sinnbild sein. Sie ruft uns zu, dass wir im schlichten Bethaus und in der stolzen Kirche den einen Gott suchen und finden dürfen … Und nun läute, liebe Glocke … Wer Ohren hat zu hören, der höre.» (E. Fehr, Die neue Kirche Fluntern, S. 51)
Wiederum nicht für lange. 1944 kaufte die Kirchgemeinde die «Alten Kirche» von der Stadt Zürich zurück und holte die Glocke an ihren ursprünglichen Ort zurück.
Seitdem verrichtete Flunterns «Glöcklein» seinen Dienst im Turm der «Alten Kirche», schlug die Stunden, rief zu den Gottesdiensten.
In letzter Zeit allerdings häuften sich Bedenken. Die Glocke töne nicht mehr schön, zu hart sei ihr Klang. Zweifel kamen auf. Hat die Glocke vielleicht einen Riss?
Schliesslich ist sie inzwischen über 150 Jahre alt und musste gleich zweimal ihren Standort wechseln.
Wieder war es ein Hürlimann, der die Initiative ergriff. Matthias Hürlimann, ein Nachkomme des Stifters der Glocke Jakob Hürlimann, veranlasste im Januar 2013 eine gründliche Prüfung der Glocke durch einen Experten. René Spielmann, der Geschäftsleiter der Firma Rüetschi, jener Firma, die schon die Glocken für die «Grosse Kirche» gegossen hatte, stieg in den Turm, untersuchte die Glocke eingehend und konnte Entwarnung geben. Flunterns Glocke hat keinen Riss, alles funktioniert einwandfrei.
Um den Klang zu verbessern, dürften kleinere Änderungen etwa am Klöppel, an einzelnen Beschlägen oder an der Antriebskette völlig ausreichen.

Martin Kreutzberg